Qin-China Setting

Assassin’s Creed Jade — Was die Reihe auf dem Handy behält und was sie dabei verliert

Assassin’s Creed Jade ist Ubisofts Versuch, ein vollwertiges Assassin’s-Creed-Erlebnis auf Smartphones zu bringen – angesiedelt im alten China zur Zeit der Qin-Dynastie. Auf dem Papier ist das Projekt ehrgeizig: eine offene Welt, Schleichmechaniken, Parkour, Kämpfe und eine Geschichte, die sich um die Entstehung eines Reiches dreht. Doch mobile Hardware, Touch-Steuerung und ein Free-to-Play-Modell verändern zwangsläufig das Gefühl, das man mit „Assassin’s Creed“ verbindet. Im Jahr 2025 ist die spannendste Frage nicht, ob Jade wie Assassin’s Creed aussieht – das tut es –, sondern wie viel von der Identität der Reihe diese Kompromisse überlebt.

Was Jade bewahrt: Die Kernfantasie von Assassin’s Creed

Die grösste Stärke von Jade ist, dass es die grundlegende Fantasie der Reihe beibehält: ein Assassine zu sein, der sich durch eine dicht gestaltete historische Umgebung bewegt. Ubisoft hat bestätigt, dass das Spiel im China des ersten geeinten Reiches spielt, mit einem World-Design, das auf vertikale Bewegung und die vertraute Abfolge aus Klettern, Routenlesen und zielgerichtetem Schleichen setzt. Selbst in kurzen Gameplay-Ausschnitten und frühen Beta-Eindrücken bleibt die Struktur erkennbar: einen Aussichtspunkt erreichen, Ziele markieren, eine Vorgehensweise wählen und danach wieder im Schatten verschwinden.

Parkour bleibt ein zentrales Element – und genau das ist entscheidend, weil Fortbewegung zu den prägendsten Merkmalen der Serie gehört. Jade setzt auf schnelle, gut lesbare Routen: Dächer, Mauern, Balken und Pagoden, die kurze Sessions unterstützen, aber dennoch gutes Navigieren belohnen. Es geht nicht nur um Bewegung als Selbstzweck, sondern darum, diese „Ich kann überall hin“-Illusion zu erzeugen, die Assassin’s Creed seit jeher dann besonders gut hinbekommt, wenn die Städte clever gebaut sind.

Auch das Schleichen orientiert sich stark an der Tradition. Du bekommst weiterhin die Spannung, an Patrouillen vorbeizukommen, Deckung zu nutzen und Ziele zu isolieren. Die versteckte Klinge ist vorhanden, und Attentate werden weiterhin als klare, endgültige Momente inszeniert – nicht als beliebige Schadenszahl. Wenn Jade funktioniert, entsteht genau dieses vertraute Gefühl der Hauptspiele: Du hast geplant, infiltriert und bist verschwunden, ohne die gesamte Gegend in ein Chaos zu verwandeln.

Setting und Atmosphäre: Qin-China als mehr als nur Kulisse

Die Wahl der Qin-Zeit ist klug, weil die Epoche von Natur aus zu den Themen der Reihe passt: zentralisierte Macht, Kontrolle, Widerstand und Identität in einem neu geformten Staat. Ubisofts offizielle Beschreibungen sprechen von einer Zeit des Handels und des kulturellen Austauschs während der Expansion des Reiches – das schafft reichlich Raum für politische Spannungen. Genau das ist ein starker Nährboden für Assassin’s-Creed-Erzählungen, besonders dann, wenn der Spieler zwischen gewöhnlichen Menschen und den Mechanismen der Autorität steht.

Jade übernimmt ausserdem die bekannte Serie-Gewohnheit, berühmte Orte mit alltäglichem Strassenleben zu verbinden. Selbst wenn Smartphone-Hardware Crowd-Dichte und Fernsicht teilweise vereinfachen muss, ist das Ziel klar: Spieler sollen das Gefühl bekommen, sich in einem lebendigen Ort zu bewegen und nicht in einem Museum. Wenn das finale Release eine überzeugende Vielfalt liefert – Stadtviertel, ländliche Ränder, Zeremonialorte –, könnte das Setting einer der grössten Pluspunkte werden.

Ein weiterer wichtiger Serien-Faktor ist Identität als Story-Werkzeug. Jade basiert auf einem anpassbaren Protagonisten – eine grosse Veränderung –, erfüllt aber dennoch eine klassische Funktion: Du bist eine Figur, die vom Zeitalter geprägt wird. Statt einen einzelnen ikonischen Helden zu nutzen, scheint Jade die Rolle des Assassinen als etwas darzustellen, das man sich erarbeitet. Das passt zu einer mobilen RPG-Struktur, ohne den Kernbogen „zum Assassinen werden“ zu verlieren.

Was Jade verändert: Mobile-Design-Realitäten und ihre Nebenwirkungen

Der grösste Unterschied liegt in der Steuerung. Touchscreens können Bewegung und Kamera abbilden, aber selten liefern sie die Präzision eines Controllers – vor allem in parkourlastigen Spielen. Das führt meist zu Assistenzsystemen: stärkeres Auto-Klettern, grosszügige Kanten-Griffe und vereinfachte Navigation. Dadurch kann sich Bewegung weniger „verdient“ anfühlen. Assassin’s Creed balanciert seit jeher zwischen filmischem Flow und Spieler-Kontrolle – und mobile Design tendiert dazu, diese Balance stärker Richtung Automatisierung zu verschieben.

Auch das Kampfsystem wird wahrscheinlich gestrafft. Actionspiele auf dem Handy setzen oft auf klar lesbare Gegner-Muster, weniger gleichzeitige Bedrohungen und Fähigkeiten mit Cooldowns. Das ist nicht automatisch schlecht, aber es verändert das Gefühl: weniger improvisiertes Durcheinander, mehr „nutze das richtige Werkzeug im richtigen Moment“. Kombiniert man das mit RPG-Fortschritt, besteht das Risiko, dass Skill gegenüber Stats in den Hintergrund tritt – und genau das kann die klassische Assassinen-Fantasie schwächen, wenn die Balance nicht stimmt.

Dazu kommt das Tempo. Ein Konsolen-Assassin’s-Creed rechnet mit langen Sessions, langsamer Erkundung und schrittweiser Entdeckung. Ein Mobile-Game ist für fragmentierte Zeit gemacht: zehn Minuten unterwegs, fünf Minuten zwischendurch. Dadurch ist Jades Missionsstruktur vermutlich modularer und stärker auf kurzfristige Belohnungen ausgelegt. Das kann zugänglicher sein, aber es kann auch Immersion kosten, wenn sich die Welt eher wie ein Aufgaben-Menü anfühlt als wie ein Ort, in dem man wirklich lebt.

Die Free-to-Play-Frage: Progression, Monetarisierung und Vertrauen

Bis 2025 wird Jade in vielen Berichten als Titel beschrieben, der von einem früheren Ziel in 2024 in ein späteres Fenster verschoben wurde. Seriöse Quellen verknüpfen diese Verzögerung unter anderem mit wechselnden Prioritäten auf Publisher-Seite. Verzögerungen sind nicht automatisch schlecht – sie können Qualität verbessern –, aber sie erhöhen den Druck. Mobile-Spieler erwarten stabile Performance auf vielen Geräten, faire Progression und regelmässige Updates. Wenn Jade technisch holprig startet oder seine Wirtschaft zu aggressiv wirkt, wird es schwer, langfristiges Vertrauen aufzubauen.

Das Geschäftsmodell ist der Punkt, der die Serien-Identität am stärksten verändern kann. Traditionell kaufst du Assassin’s Creed als komplettes Spiel und bekommst optional Erweiterungen. Free-to-Play-Strukturen arbeiten hingegen oft mit Reibung: langsamere Progression ohne Zahlung, mehrere Währungen und zeitlich begrenzte Events, die ständiges Einloggen fördern. Jade kann trotzdem respektvoll sein, aber das Risiko ist offensichtlich: Wenn Attentate und Erkundung sich wie Pflichtaufgaben anfühlen, die primär auf Bindung ausgelegt sind, verliert das Spiel schnell seine Magie.

In offiziellen Mitteilungen und Event-Updates wurden zudem Multiplayer- und Live-Features angedeutet, was darauf hindeutet, dass Jade mit der Zeit stärker soziale Systeme ausbauen könnte. Das kann positiv sein, solange es optional bleibt – Co-op-Missionen, freundliche Wettbewerbe, gemeinsame Herausforderungen. Es kann aber auch den Fokus vom klassischen Solo-Schleichgefühl wegziehen, das die Serie über Jahre definiert hat. Die beste Version von Jade ist eine, in der Live-Inhalte die Welt ergänzen, statt den Kern durch endloses Grinden zu ersetzen.

Qin-China Setting

Wo Jade in die Reihe passt: Ein Mobile-Ableger mit echten Erwartungen

Jade ist nicht einfach „Assassin’s Creed auf dem Handy“, sondern ein Test, ob die Marke ausserhalb der Premium-Releases ihre Bedeutung behalten kann. Ubisoft hat es als Open-World-Erlebnis beschrieben, das speziell für iOS und Android entwickelt wird – das klingt nicht nach einem leichten Spin-off. Wenn Jade gut funktioniert, könnte es ein Einstiegstitel werden: das erste Assassin’s Creed für Menschen ohne Konsole oder für Spieler, die die Welt in kürzeren Abschnitten erleben wollen.

Doch die Erwartungen gehen in beide Richtungen. Ein Spiel kann wie Assassin’s Creed aussehen und sich trotzdem falsch anfühlen, wenn die Systeme falsche Verhaltensweisen belohnen. Die Reihe war immer dann am stärksten, wenn sie Neugier, Geduld und kluge Stealth-Entscheidungen belohnt hat. Wenn Jade stattdessen auf tägliches Einloggen, Währungen und wiederholbare Aufgaben zum Leveln setzt, kann es als Mobile-Titel erfolgreich sein – aber es wirkt dann eher wie ein Kostüm als wie ein echter Teil der Serie.

Im Jahr 2025 ist die ehrlichste Einordnung daher: ein Kompromiss mit Potenzial. Sehr wahrscheinlich liefert Jade eine stimmungsvolle historische Welt, vertraute Traversal-Elemente und klassische Stealth-Momente. Entscheidend ist, ob es diese Stärken behält, ohne Progression in ein Laufband zu verwandeln. Wenn diese Balance gelingt, könnte Jade überraschend nah an einem „richtigen“ Assassin’s-Creed-Erlebnis bleiben – trotz Smartphone-Format.

Worauf Spieler 2025 achten sollten

Erstens lohnt es sich, genau auf das Bewegungsgefühl zu achten. Wenn Parkour zu stark automatisiert ist, kann die Welt beeindruckend aussehen, aber sich spielerisch flach anfühlen. Ein gutes Zeichen wären Systeme, die geübte Spieler schneller und sauberer bewegen lassen, ohne Einsteiger zu frustrieren. Assassin’s Creed braucht keine perfekte Simulation, aber es braucht das Gefühl, dass man die Figur steuert – und nicht nur zuschaut.

Zweitens sollte man das Wirtschaftssystem und das Tempo der Progression beobachten. Ein faires Mobile-Spiel lässt Kompetenz durch Spielen wachsen, nicht durch Ausgaben. Wenn Upgrades sinnvoll, aber nicht zwingend sind, und wenn Stealth ohne Max-Werte funktioniert, kann Jade dem Assassinen-Gefühl treu bleiben. Wird Progression hingegen zu einer harten Barriere, drängt das Spiel Spieler in repetitive Schleifen, die selbst Fans irgendwann ermüden.

Drittens zählt die technische Stabilität und die Update-Disziplin. Mobile-Releases stehen und fallen mit Performance, Akkuverbrauch und sauberen Patches. Eine riesige offene Welt ist grossartig – aber nicht, wenn sie auf Mittelklasse-Handys ruckelt oder ständig neue Downloads verlangt. Wenn Jade technisch stark startet und Monetarisierung fair bleibt, hat es echte Chancen, ein ernstzunehmender Assassin’s-Creed-Teil zu werden – nicht nur eine Nebenidee für zwischendurch.